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Methadon gegen Krebs: Erste klinische Studie startet

Kann Methadon die Wirksamkeit einer Chemotherapie verbessern? Dieser Frage gehen Wissenschaftler aus Deutschland nun nach.

© iStock.com/KatarzynaBialasiewicz

Fr. 08. November 2019

Vor einigen Jahren hatte sich im Labor gezeigt, dass Methadon verschiedene Krebszellen sensibler für eine Chemotherapie macht und sie schneller absterben lässt. Da das Thema in den Medien und unter Experten heiß diskutiert wird, soll nun eine von der deutschen Krebshilfe geförderten klinische Studie klären, ob der Einsatz von Methadon bei der Behandlung von Dickdarmkrebs sinnvoll ist.

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Methadon ist den meisten Menschen als Ersatzdroge für Heroin bekannt. Es handelt sich dabei um ein synthetisch hergestelltes Opioid mit starker schmerzstillender Wirkung. Die Wissenschaftlerin Dr. Claudia Friesen vom Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum in Ulm wies vor einigen Jahren in Laborversuchen nach, dass manche Krebszellen besser auf eine Chemotherapie reagierten, wenn zusätzlich Methadon gegeben wurde. Eine rückblickende Auswertung der Daten von 27 Patienten mit Hirntumoren ergab ebenfalls, dass Patienten, die zur Schmerzlinderung Methadon erhalten hatten, eine geringere Rückfallquote hatten.

Erste klinische Studie startet 2020

Seitdem besteht ein großes öffentliches Interesse an dem Thema. Bisher gab es jedoch noch keine unabhängige klinische Studie, die diesen Effekt von Methadon bei Krebs gezielt untersucht. Das soll sich nun ändern: 2020 startet eine prospektive Studie unter der Leitung von Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Ulm. Eingeschlossen werden Patienten, die an fortgeschrittenem Dickdarmkrebs leiden und bei denen Chemotherapeutika nicht mehr anschlagen. Die Hoffnung ist, dass Methadon die resistent gewordenen Tumorzellen empfindlicher für die Chemotherapie machen.

Nebenwirkungen sind noch unklar

Mit der Studie, die von der deutschen Krebshilfe gefördert wird, sollen der Nutzen und das Risiko der Nebenwirkungen gegeneinander abgewogen und Sachlichkeit in die Diskussion gebracht werden. Erste Ergebnisse könnten Anfang 2022 vorliegen. Bis dahin rät Prof. Uwe Schlegel, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Bochum, zur Vorsicht und rät außerhalb von klinischen Studien dringend davon ab, Methadon zur Behandlung von Tumoren einzusetzen. Der Wirkstoff stehe beispielsweise im Verdacht, insbesondere in hohen Dosierungen und bei längerer Anwendung das Herz zu schädigen und die Lebenszeit zu verkürzen.

ZOU

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