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Medizin aus dem Meer

Die Forschung schreitet voran, auch bei der Suche nach Wirkstoffen aus dem Meer. Welche neuen Tendenzen es gibt, erklärt Pharmazie-Professor Dr. Peter Proksch, Experte für marine Wirkstoff-Suche von der Universität Düsseldorf, in der aktuellen Ausgabe des Apotheken Magazins.

Ist die Suche nach neuen Wirkstoffen unter der Meeresoberfläche tatsächlich so vielversprechend?
Proksch: Ja. Neben der unglaublichen Vielfalt an Formen, Farben und Wechselbeziehungen der Organismen untereinander besitzen Meeresorganismen einen immensen Reichtum an bislang unbekannten Inhaltsstoffen. Wie groß das Potenzial ist, das Wissenschaftler in den Ozeanen vermuten, lässt sich unter anderem an der Vielzahl der untersuchten Substanzen erkennen. Mehr als 38.000 Naturstoffe aus dem Meer, an denen derzeit geforscht wird, finden sich etwa in der Datenbank MarinLit. Und das ist sicher nur die Spitze des Eisbergs.

Der Trend der Forschung richtet sich mehr und mehr auf die Mikroorgansimen. Warum?
Proksch: Zum einen hat man erkannt, dass in vielen Fällen die Mikroorganismen die eigentlichen Quellen für die Wirkstoffe sind, die man untersucht. Hat man eine vielversprechende Substanz identifiziert, ist es zum anderen deutlich einfacher, sie zu kultivieren. Schwämme oder Seescheiden etwa lassen sich nur ganz begrenzt – wenn überhaupt – kultivieren und wachsen auch nur sehr langsam. Das bedeutet, bis man sie abernten kann und die benötigten Mengen an Substanz hat, die man bei einer Zulassung braucht, vergehen Jahrzehnte. Bei Mikroorganismen mit ihrem exponenziellen Wachstum ist das ganz anders. Heute reicht es, wenn man von einem Schwamm ein paar Gramm Biomasse entnimmt. Daraus kann man Hunderte von Mikroorganismen isolieren und auf ihre Wirkung hin untersuchen.

Gibt es im Hinblick auf die gefundenen Substanzen neue Entwicklungen?
Proksch: Viele marine Stoffe sind hochpotente Toxine, die als starke Zellgifte für die Krebstherapie eingesetzt werden. Hier gibt es eine neue Entwicklung, die sehr interessant ist: Man koppelt das Zellgift an Antikörper, die ihrerseits bestimmte Strukturen auf der Oberfläche von Krebszellen erkennen und dort andocken. Die Krebszelle nimmt den gesamten Komplex auf, inklusive Toxin. Im Inneren der Zelle wird der Giftstoff freigesetzt und zerstört die Krebszelle von innen. Man kann die Tumorzellen also direkt ansteuern und vermeidet auf diese Weise die Nebenwirkungen, die man von der üblichen Chemotherapie her kennt. Gerade die Substanzen, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind, sind solche Antikörper-Toxin-Verbindungen.

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